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Gekommen, um zu bleiben

2017 hielt es Misodzi Teresa Hungwe nicht länger aus. Sie stieg in Harare in ein Flugzeug und verließ ihre Heimat, Simbabwe, für immer. Ihr Ziel war Deutschland.

Die Ausreise allein war schon ein Abenteuer. Nur als Teil einer Sportmannschaft, die zu einem Turnier nach Europa reisen durfte, gelang die Flucht. Alleine hätte Teresa nie eine Genehmigung erhalten. Noch am Flughafen in Hamburg stellte sie einen Antrag auf Asyl. Was genau es war, dass die 38-Jährige dazu gebracht hat, zu fliehen, darüber spricht sie nicht gerne. „Die politische Situation dort hat es mir unmöglich gemacht, länger zu bleiben“, sagt sie. Zurückkehren kann sie nicht mehr.

Neustart allein in einem fremden Land

Erste Station auf ihrem Weg war Bramsche, dann Sachsenhagen. Heute wohnt Teresa in Stadthagen. Und hatte das Glück, über die Kirche auf Ines Thiemann zu treffen. Die ist Projektkoordinatorin von „Gekommen, um zu bleiben“, einem Programm der evangelischen Heimvolkshochschule in Loccum, das Geflüchteten dabei hilft, sich in Deutschland zu integrieren und einen Arbeitsplatz zu finden.

15 Teilnehmer hat ein Kurs. Und die Erfolgsquote kann sich sehen lassen. „Knapp die Hälfte der Schülerinnen und Schüler habe ich bisher in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis gebracht.“ Eine Quote, von der so manches Jobcenter nur träumen kann. Und trotzdem ist aller Voraussicht nach im kommenden Jahr Schluss, wenn es keine Verlängerung des Projektes gibt.

Träume werden Wirklichkeit

Weigert war von Beginn an neugierig auf das Konzept. Die für Personalfragen verantwortliche Mitarbeiterin Irina Schimpf, selbst vor 23 Jahren nach Deutschland eingewandert, war schnell begeistert. Und Ines Thiemann räumte letzte Zweifel aus. Ausgestattet mit einem auf ein Jahr befristeten Zeitvertrag startete Teresa Hungwe 2018 als Mitarbeiterin in der Kabelkonfektion.

Es ist ein weiter Weg bis nach Bückeburg, den Teresa aber gerne auf sich nimmt. Denn schon in Simbabwe hatte sie mit Strom, Technik und Elektronik gearbeitet, ihr großer Traum.

Ein Jahr hat sie die Kollegen bei Weigert von ihrem Engagement und ihrem freundlichen Wesen überzeugen können. Und die unterstützten Sie, halfen bei der Fahrt zur Arbeit und beim Deutschlernen. Mit Erfolg: Zum 1. August beginnt Teresa Hungwe ihre Ausbildung zur Elektronikerin mit Schwerpunkt Betriebstechnik.

„Es ist toll, so viel Unterstützung zu erhalten. Weigert ist ein großartiger Arbeitgeber und ich bin froh, diese Chance zu erhalten.“

Viel zu kalt, aber frei

Traurig ist Teresa manchmal darüber, dass sie ihre Familie nicht sehen kann. Ihre Eltern sind zwar bereits verstorben, doch ihre vier Geschwister leben noch immer in Simbabwe. Das Land verlassen dürfen sie nicht. Und für Teresa ist eine Reise nach Simbabwe zu gefährlich. Vermutlich würde sie umgehend verhaftet werden.

Deutschland schätzt sie sehr. „Hier hat jeder die Freiheit, seine Meinung zu sagen, Arbeit zu finden und zur Schule zu gehen. Das ist toll. Wer etwas werden will, muss nur arbeiten und wollen.“

Einzig das Wetter ist nicht ihr Fall. Besonders im Winter vermisst sie die Heimat. „Ich habe in Simbabwe nie Temperaturen unter sieben Grad erlebt. Hier friere ich sogar bei eingeschalteter Heizung,“ erzählt sie lachend.

Bei Weigert beginnen damit in diesem Jahr gleich zwei Frauen ihre Ausbildung.

Neben Teresa Hungwe startet auch Amelie Friedrichs. Mit Vivien Buhrmester befindet sich eine weitere Kollegin momentan im ersten Lehrjahr. Claudio Macanda beendet seine Ausbildung voraussichtlich in diesem Jahr. Bei Weigert ist somit auch der Nachwuchs gesichert.

In der Ausbildung kommt einiges auf Teresa zu. 3,5 Jahre wird sie lernen, abwechselnd im Blockunterricht an der Berufsschule in Hameln und bei Weigert im Betrieb. Dass sie denn Willen besitzt, auch hier erfolgreich zu sein, hat sie schon unter Beweis gestellt. Nur sechs Monate hatte sie Zeit, den Nachweis zu erbringen, Deutsch auf dem Niveau B1 zu beherrschen. Die Prüfung bestand sie problemlos. „Ich bin sehr dankbar, dass Weigert mir diese Chance gegeben hat. Und ich wünsche ihnen, dass sie dafür etwas zurückbekommen.“