Schaltschrankbauer kämpfen mit Corona-Auswirkungen

Wie Weigert mit weltweiten Lieferengpässen in der Bauteilbeschaffung umgeht

„Wir wollen uns eigentlich nicht beschweren, denn grundsätzlich stehen wir zu Beginn des neuen Jahres gut da. Die Auftragslage ist aktuell gut, die Mitarbeiter dankenswerterweise gesund und die Stimmung bestens“, resümiert Geschäftsführer Martin Fauth. Doch es gibt ein „Haar in der Suppe“, das aufs Gemüt schlägt. „Denn die weltweiten Lieferengpässe von Elektronikbauteilen, in Kombination mit einer kräftigen Inflation machen nicht nur uns, sondern leider auch unseren Kunden das Leben schwer.“ Was genau diese Probleme auslöst und was das für Weigert als Schaltschrankbauer bedeutet, darauf wollen wir nachfolgend einen kurzen Blick werfen.

Mitarbeiter von Weigert mit Klemmbrett vor einem Firmenauto
Weigert-Mitarbeiter verkabelt einen Schaltschrank

Warum gibt es momentan so massive Beschaffungsprobleme?

Der Grund dafür ist eindeutig in der Corona-Pandemie zu finden und hat drei Hauptursachen:

  • Nachfrage: Nach einem massiven Einbruch der Weltwirtschaft in der ersten Phase der Pandemie und einem Stillstand oder einer Verschiebung bei der Auftragsvergabe, passten (Rohstoff-) Lieferanten, aufgrund sinkender Nachfrage, ihre Bestände massiv nach unten an. Seit etwas mehr als einem Jahr steigen die Bedarfe wieder. Nachfragen nehmen in allen Bereichen sprunghaft zu. Besonders China und die USA haben gewaltig zugelegt. In diesem Maße konnten die Produktionen allerdings nicht wieder hochfahren, so dass durch den Rohstoffmangel ein Defizit in allen Bereichen entsteht.
  • Logistik: Durch den Zusammenbruch des internationalen Flugreiseverkehrs entfielen die damit verbundenen Transportkapazitäten. Die Folge war, dass Waren vermehrt über den Seeweg transportiert wurden, was wiederum zu einem Mangel an verfügbaren Überseecontainern führte. Mit dem Wiederanstieg der Nachfrage wurde hierbei zusätzlich „Öl ins Feuer gegossen“. Waren konnten und können also nicht mehr – in ausreichendem Maße – verschifft werden. Der Mangel sorgt zudem dafür, dass die Preise für die vorhandenen Kapazitäten steigen. Und auch die Kosten für
  • Treibstoffe erheblich angezogen haben. Somit sind Transportkosten bis zu fünf Mal teurer geworden.
    Krankheit: Weltweit sind durch Infektionen oder staatliche Corona-Schutzmaßnahmen Mitarbeiter weggebrochen, die für die Gewinnung von Rohstoffen und deren Verarbeitung, für Transport oder die Fertigung von Endprodukten zuständig waren.

Erst die Flaute – jetzt die Rallye

Im Maschinen- und Anlagenbau war der Auftragseingang enorm. Ein Investitionsstau machte sich bemerkbar. Die Nachfrage konnte und kann auch noch immer nicht gedeckt werden. Speziell für den Schaltanlagenbau bedeutet das: Viele elektronische Bauteile und Baugruppen sind seitdem schwer zu bekommen oder haben teils enorm lange Lieferzeiten. Dabei beschränken sich die Probleme nicht nur auf einige bestimmte Komponenten, sondern reichen von Kabeln über Klemmen, Stecker und Schalter bis hin zu SPS-Baugruppen, Schützen oder Netzteilen.

Es ist unvorhersehbar, aber irgendetwas fehlt eigentlich immer. Bei manchen Bauteilen sind Lieferzeiten von sechs Monaten bis zu einem Jahr leider keine Seltenheit mehr. In der Halbleiter- oder Chip-Industrie warte man auch mal >60 Wochen auf Nachschub.

Die Knappheit lässt zusätzlich den Preis in die Höhe schnellen – und das massiv. Seit Ende 2020 steigen die Kosten permanent an, sowohl von Rohwaren als auch von elektronischen Bauteilen. Die meisten Hersteller haben allein im vergangenen Jahr zwei, viele sogar drei Preiserhöhung bekannt geben.

Und natürlich werden die gestiegenen Frachtkosten, von den Herstellern vielfach einfach an die produzierenden Dienstleister weitergereicht.

Was bedeutet das für Weigert?

Unsere Kunden haben glücklicherweise volle Auftragsbücher. Somit haben auch wir reichlich zu tun, was sehr gut ist! Doch seit kurzem stehen wir vor dem Problem, dass wir die Projekte, trotz aller Bemühungen, aufgrund fehlender Teile einfach nicht zum vereinbarten Zeitpunkt abschließen können, wie unsere Kunden das von uns gewohnt sind. Deshalb wird bei uns momentan jeden Tag viel Zeit und Arbeit darauf verwendet, Termine mit Kunden und Lieferanten zu synchronisieren. Fertigungs- und Ausliefertermine umzulegen und zu aktualisieren, um abgesprochene Liefertermine so gut es geht einzuhalten und Änderungen am Zeitplan so früh wie möglich zu besprechen. Auf diesem Wege geben wir unseren Kunden durch umfassende Information und Transparenz die Chance, die eigene Planung so gut wie möglich anzupassen. Denn mit einer Entspannung der Lage ist leider frühestens ab Sommer zu rechnen, wie die Hersteller berichten.

Wie es ab dann weiter geht, bleibt sicher spannend zu beobachten. Bei Weigert selbst führt der viele Wareneingang und die stockende Auslieferung langsam zu einem Platzproblem – das allerdings ist eine andere Geschichte.

Mann trägt das Gehäuse eines Schaltschrankes